Barrierefreier Hörbuch-Download per DZB-App

Seit 2016 können die Nutzer der Hörbücherei ihre Bücher mithilfe einer App für iOS- bzw. Android-Geräte herunterladen. Die kostenlose DZB-App beinhaltet den gesamten DZB-Hörbuchkatalog mit ca. 40.000 Titeln und verschiedene Recherche-, Verwaltungs- und Ausleihfunktionen, die der Nutzer über sein persönliches Konto ausführen kann. Jan Blüher, blinder Informatiker, hat die App im Auftrag der DZB entwickelt.

Eine Person mit Kopfhörern hat den Finger auf einem Tablet
Hörbuchdownload

Beschreiben Sie uns bitte die DZB-App! Was kann die App und wer soll sie nutzen?

Die DZB-App hat im Kern drei Hauptfunktionen: Man kann in den Katalogen aktuell nach DAISY-Büchern und Hörfilmen suchen, man kann die Suchergebnisse klassisch und online bestellen und man kann sowohl die Hörbücher als auch die Hörfilme direkt in der App anhören. Bei der klassischen Bestellung dauert es wegen der Postsendung ja mindestens ein oder zwei Tage bis das Buch ankommt und ich es anhören kann. Mit der App kann man das gleiche Buch sofort bestellen und nach wenigen Sekunden mit dem Anhören beginnen. Das finde ich selbst auch sehr gut. Seit es diese Möglichkeit gibt, höre ich auch wieder öfter Bücher der DZB.

Welche besonderen Herausforderungen gab es bei der Programmierung?

Die Herausforderung liegt vor allem in der Komplexität der App. Der Katalogbestand in der App muss mit dem auf dem DZB-Server abgeglichen werden. Kein Buch soll zweimal auftauchen, aber natürlich auch keines fehlen. Die Bestellaktionen müssen korrekt ausgeführt werden, damit die Mediathek der Hörer immer korrekt ist. Dabei gibt es manchmal eine Internetverbindung und ein anderes Mal keine. Während all das passiert, soll vielleicht gerade auch der Download eines DAISY-Buches im Hintergrund laufen und ein anderes Buch wird gerade abgespielt. Die App ist von den Funktionen her wie eine Mischung aus eBooks und Audible und wir sind schon ein bisschen stolz, dass wir das ganz gut hinbekommen haben und die Nutzer damit zufrieden sind.

Es vergeht viel Zeit bis die App programmiert ist. Damit sie fehlerfrei funktioniert bedarf es einiger Tests. Auf welche Weise erfolgte der Test der verschiedenen Versionen?

Zuerst testen wir intern an uns selbst. Sowohl Eric Scheibler, der die Android-Version programmierte, als auch ich sind Hörer der DZB und gehören somit zur Zielgruppe. Im nächsten Schritt erhalten Mitarbeiter der DZB eine Testversion und in einer dritten Phase werden Testversionen auch an externe Tester – also Hörer der DZB – verteilt. In diesem Prozess wird noch an verschiedenen Stellen optimiert. Dann kann die neue Version veröffentlicht werden.

Es gibt die DZB-App für iOS- und Android-Geräte. Wie lange haben Sie für die Entwicklung beider Varianten gebraucht?

Jede Variante hat ungefähr ein Jahr Entwicklungszeit in Anspruch genommen und da auch weiterhin neue Funktionen hinzukommen, werden wir weitere Zeit brauchen.

Was macht ein gutes digitales Produkt im Allgemeinen aus und welche Kriterien muss eine App im Besonderen erfüllen, damit sie barrierefrei ist?

Wie jedes andere Produkt muss auch Software möglichst optimal die Bedürfnisse der Anwender bedienen. Sie sollte möglichst einfach und intuitiv zu bedienen sein, die Funktionen gut und schnell ausführen und ansonsten eher in den Hintergrund treten. Dieses Ziel ist natürlich nur schwer zu erreichen. Der eine braucht es so, die andere mag es lieber anders. Trotzdem sollte das der Leitfaden sein. Eine barrierefreie App muss im Grunde die vom jeweiligen Betriebssystem angebotenen Bedienungshilfen optimal unterstützen. In unserem Fall bedeutet das, dass die DZB-App komplett mit VoiceOver bzw. Talkback genutzt werden kann, aber auch, dass Textvergrößerung und gute Kontraste angeboten werden. Als Software-Entwickler gibt es da bei der Planung und der Programmierung ein paar zusätzliche Dinge zu beachten, um dies zu erreichen. Das Ganze ist meistens aber auch nicht sehr schwierig. Man muss es eben mit beachten.

Dr. Jan Blüher promovierte an der TU Dresden in Informatik und ist gefragter Fachmann für barrierefreie Anwendungen. Kernzielgruppe seiner Apps sind Blinde und Sehbehinderte.

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