Wie E-Books für jedermann zugänglich werden

Knapp 25 Prozent aller Bundesbürger lesen E-Books, am eifrigsten dabei sind 14- bis 29-Jährige mit 37 Prozent. Und blinde und seheingeschränkte Menschen oder Menschen mit einer Leseschwäche? Für diese wären elektronische Bücher erst recht von Vorteil. Doch es gibt kaum E-Books, die barrierefrei sind. Über ein interessantes Projekt in der DZB und warum es so schwer ist, elektronische Bücher für alle zu produzieren.

Eine männliche und zwei weibliche Personen lächeln
Die Gewinner des zweiten Platzes beim Innovationswettbewerb „Digital Imagination Challenge“mit Verena Bentele

„Eigentlich wäre es schön, wenn Barrierefreiheit ein Qualitätsmerkmal für alle E-Books sein könnte“, schwärmt Sarah Bohnert und Lars Voigt ergänzt: „Ja, das E-Book sollte wirklich in Zukunft für jedermann lesbar sein. Leider gibt es noch viel zu viele Hürden bei der Herstellung barrierefreier elektronischer Bücher.“ Die beiden jungen Mitarbeiter in der DZB machen sich Gedanken darüber, wie E-Books schneller und effektiver barrierefrei hergestellt werden können. Sie entwickeln ein einfaches und nutzerfreundliches Werkzeug, damit Verlage schon von Herstellungsbeginn an E-Books auf Barrierefreiheit prüfen können. Dass sie mit ihrem Projekt BACC (Born Accessible Content Checker) zu den Finalisten eines Wettbewerbs gehören, der barrierefreien Zugang für digitale Medien zum Thema hat, spornt die beiden natürlich an. „Es wäre toll, wenn wir gewinnen“, freut sich Sarah Bohnert und lächelt, „wenn nicht, dann haben wir jedenfalls unser Projekt und die DZB bekannter gemacht.“

Warum es kaum barrierefreie E-Books gibt

Verlage müssen E-Books erst aufbereiten, damit diese barrierefrei werden. Die Investition in entsprechendes Know-how und die richtigen Produktionswerkzeuge kostet Geld. Solange sich die Umstellung der Prozesse aber nicht wirtschaftlich rechnet, scheuen die meisten Verlage den Kostenaufwand. Und hier kann die innovative Software-Lösung BACC die Verlage unterstützen. Sie ist bisher die einzige webbasierte Software auf dem Markt und baut auf dem ACE-Tool des DAISY-Konsortiums auf. „Nicht alle Hersteller kennen die Bedürfnisse, die Menschen mit Seheinschränkung an digitale Publikationen haben“, erklärt Software-Entwickler Lars Voigt. „Wir bündeln in unserer Software-Lösung das Wissen um die Herstellung barrierefreier E-Books.“

Während Lars Voigt die grafische Oberfläche des Online-Tools zeigt, erklärt Sarah Bohnert, die erst vor Kurzem ihre Masterarbeit mit Bravour verteidigt hat und für die barrierefreien Inhalte der Software verantwortlich ist: „Je komplexer die Strukturen eines Buches sind, beispielsweise Fachliteratur, desto komplizierter ist die barrierefreie Aufbereitung des E-Books. Wir raten den Herstellern, ihre Bücher gleich von Anfang an barrierefrei zu gestalten. Diese nachträglich zugänglich zu machen, ist viel zu aufwändig.“

Software mit schnellem Prüfergebnis

Barrierefreie E-Books haben, ähnlich wie DAISY-Hörbücher, einen sauber strukturierten Inhalt, eine logische Lesereihenfolge, Daten zur Information über das Buch, eine ausgezeichnete Sprache, beschreibende Texte für Bilder und Grafiken. Diese Richtlinien sind internationaler Standard, der die Grundlage für barrierefreie elektronische Publikationen bildet. Er ist die Voraussetzung für die Flexibilität der E-Books: Seheingeschränkten Menschen ist es möglich, beispielsweise Schriftart, Schriftgröße und Kontraste individuell festzulegen. Blinde können sich das E-Book vorlesen lassen und über das Inhaltsverzeichnis zu verschiedenen Kapiteln direkt navigieren.

Die Software testet das E-Book auf Basis dieses internationalen Standards und liefert den Verlagen ein schnelles Prüfergebnis, das auch im Detail jeden einzelnen Regelverstoß wiedergibt. Es zeigt an, wie barrierefrei das E-Book ist, und gibt Empfehlungen zur Nachbesserung. „Je einfacher die Software, desto eher wird diese von den Verlagen angenommen“, so Lars Voigt. „Von Vorteil ist zum Beispiel eine Liste aller Alternativtexte für Bildbeschreibungen. So können die Verlage überprüfen, ob beschreibende Texte vorhanden und wie sinnvoll sie sind.“

Gerade Fachliteratur veraltet im digitalen Zeitalter sehr schnell. Sarah Bohnert und Lars Voigt wissen, dass deren herkömmliche Übertragung in Brailleschrift sehr lange dauert. Barrierefreie E-Books wären deshalb eine Alternative für blinde Schüler, Lehrer, Studenten und Wissenschaftler. Aber auch im Bereich Belletristik und Sachliteratur könnten E-Books das barrierefreie Literaturangebot erweitern und schnelleren Zugang ermöglichen.

Ihr Online-Tool ist für Hersteller von E-Books  auf alle Fälle eine große Chance, inklusives Publizieren zu erleichtern, und ein Schritt weiter in Richtung barrierefreie Literatur für blinde und sehbehinderte Menschen.

Aus diesem Grund gewannen die beiden vor Kurzem auch einen tollen zweiten Platz im Innovationswettbewerb „Digital Imagination Challenge“ in Berlin.

Herzlichen Glückwunsch!

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