Wie musizieren blinde und seheingeschränkte Menschen?

aufgeschlagenes Braillenotenwerk
Braillenoten

In ihrem Forschungsprojekt Musikalische Kommunikation: Modus Braille untersucht Dr. Juliane Bally das Musizierverhalten blinder und sehbehinderter Musikerinnen und Musiker im deutschsprachigen Raum. Sie hat bisher viele Befragungen durchgeführt, doch diese reichen noch nicht aus. Bis zum Ende des Projektes (Ende November 2018) braucht sie mindestens noch 30 Personen, damit die Studie wissenschaftliche Beweiskraft besitzt. Im Folgenden lesen Sie hier ihren interessanten Zwischenbericht, der noch einmal alle ermuntern und einladen soll, das Projekt zu unterstützen.

Das Projekt dokumentiert und analysiert unter soziologischen und musikalischen Aspekten das Musizierverhalten bei visueller Einschränkung. Mit dieser Studie soll eine wissenschaftliche Basis für die inklusive Arbeit im musikalischen Bereich geschaffen werden. Dazu wurden blinde Musikerinnen und Musiker aus Deutschland, Österreich und dem deutschsprachigen Teil der Schweiz schriftlich über die Verteiler des DVBS, der DZB und den IFLA/LPD Newsletter im Jahr 2016 befragt.

Von Herbst 2016 bis Frühsommer 2018 nahmen 105 Personen an der Befragung teil. Die Altersgruppe von 41 bis 65 Jahren ist mit mehr als der Hälfte aller Befragten am stärksten vertreten. Von den 105 Interviewpartnern sind 56 Prozent weiblichen und 44 Prozent männlichen Geschlechts. 82 Prozent der Teilnehmer sind blind, 18 Prozent sind sehbehindert bzw. hochgradig sehbehindert. 61 Prozent der Personen sind geburtsblind, 39 Prozent spät erblindet. Bei einem guten Drittel der Interviewpartner handelt es sich um Berufsmusiker. Hierbei sind die hauptamtlichen Kirchenmusiker am häufigsten vertreten, gefolgt von den freischaffenden Musikern und Komponisten sowie den Musikpädagogen. Die größte Gruppe der Studienteilnehmer bilden die Laienmusiker. In ihrer Kindheit und Jugend erhielten nahezu alle der befragten Musiker regelmäßigen Gesangs- und/oder Instrumentalunterricht. Nur ein kleiner Personenkreis gibt an, das Instrumentalspiel oder Singen autodidaktisch erlernt zu haben.

Freude am Instrumentalspiel

Das Bild der instrumentalen und vokalen Musizierpraxis ist bunt. Die Mehrzahl der blinden Musiker verfügt über vielseitige musikpraktische Fähigkeiten. Diese Vielseitigkeit äußert sich wie folgt:

58 Prozent geben an, ein Tasteninstrument zu spielen,

14 Prozent singen,

13 Prozent spielen Saiteninstrumente,

11 Prozent spielen ein Blasinstrument und

4 Prozent spielen Schlaginstrumente.

Von allen Befragten sind über drei Viertel bi- oder multi-musikalisch, d. h. sie beherrschen mindestens zwei Instrumente oder praktizieren gleichermaßen Instrumentalspiel und Gesang.

83 Prozent der Teilnehmer geben an, die Braille-Notenschrift erlernt zu haben. Zwei Drittel von ihnen nutzen die Braille-Notation regelmäßig zum Musizieren oder Komponieren, das verbleibende Drittel verwendet die erworbenen Notenkenntnisse nur selten oder gar nicht.

Musik fördert das kreative Miteinander

Alle Musiker bezeichnen Freude und Erfüllung als hauptsächliche Motivation für die musikalische Berufsausübung und Freizeitgestaltung. Die Untersuchungsergebnisse zeigen deutlich, dass sich die Musik positiv auf Wohlbefinden und Lebensqualität auswirkt. Nahezu alle Befragten betrachten die Musik als Ausdruck und Steigerung ihrer Lebensqualität. Musik fördert das kreative Miteinander und soziale Handeln. Das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Musikerlebnis von Sehenden und Blinden ist stark ausgeprägt. Auch zeigt die Auswertung des Datenmaterials, dass die musikalische Bildung eine der Grundvoraussetzungen für blinde und sehbehinderte Menschen ist, selbstbestimmt am musikalischen Leben in der Gesellschaft teilzuhaben.

Damit die engagierte Forschungsarbeit erfolgreich zum Abschluss gebracht werden kann, braucht es die Unterstützung weiterer Berufs- und Laienmusiker, die an der Studie teilnehmen. Melden Sie sich bitte bei Dr. Juliane Bally!

Kontakt: braillemusic@jbally.de

2 Antworten auf „Wie musizieren blinde und seheingeschränkte Menschen?“

  1. Ich finde diese Studie sehr gut, vor allem der Fragenkatalog wird auf intelligente den Bedürfnissen einer musikalischen Seele gerecht, darum wünsche ich Frau Dr. Bally, daß sich noch viele blinde und sehbehinderte Musiker an der Studie beteiligen werden!

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