Auf der Insel der Pinguine

Er hat ein ganz außergewöhnliches Hobby. Marc Fälkers große Liebe gilt den Pinguinen. Der 40-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, der sich übrigens auch Bücher aus der DZB ausleiht, weiß viel über die putzigen Frackträger und arbeitet als Mitglied aktiv im Artenschutzverein Sphenisco mit. Vor Kurzem erfüllte er sich einen Traum. Er war auf einer Expeditionsreise zu den Falklandinseln unterwegs. Davon und wie es zu dieser Reise kam, erzählt er in einem Interview.

Ihre große Leidenschaft sind Pinguine, warum?  

Ich durfte einmal im Zoo einen Pinguin streicheln. Von diesem Zeitpunkt an begann meine Leidenschaft für Pinguine. Zunächst sammelte ich Pinguine in jeglicher Form. Dann sah ich in einer Sendung, wie rührend sich Pinguine um ihren Nachwuchs kümmern. Ich fing an, mich für die Tiere und ihr Leben zu interessieren. Ich liebe ihre Rufe, die Geräusche, die sie von sich geben, und den fischigen Geruch in ihren Kolonien. Außerdem schätze ich ihren starken Charakter. Sie sehen für uns Menschen so süß und niedlich aus, haben aber einen unbeugsamen Willen, der es ihnen ermöglicht, verbunden mit ihren natürlichen Instinkten, jegliche Lebenssituation zu meistern, und sich immer wieder an neue Umweltbedingungen anzupassen.

Je mehr ich über sie weiß, desto faszinierter bin ich von ihnen. Auf den Falklandinseln durfte ich hautnah erleben, mit welchen widrigen Bedingungen Pinguine dort zu kämpfen haben, wie sie geschickt und behände über die Felsen springen und völlig zielgerichtet ihre Wege finden. Meine Bewunderung wächst beinahe ins Unermessliche.

Was sind Pinguine für Tiere?

Pinguine sind eine Familie Flugunfähiger Meeresvögel, die in 18 Arten und sechs Gattungen unterteilt sind. Sie kommen, außer in Zoos, nur auf der Südhalbkugel der Erde, von der Antarktis bis zu den Galapagosinseln am Äquator vor. Die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie in den Ozeanen der südlichen Hemisphäre. Nur zur Paarung, zur Brut- und Aufzucht ihrer Küken sowie zum Gefiederwechsel, der sogenannten Mauser, kommen sie an Land. Diese Familie hat in den Jahren ihrer Evolution das Fliegen aufgegeben und sich vollständig an ein Leben im Meer angepasst.

Die Brustmuskeln, die Flügel und Beine antreiben, haben einen sehr starken Kiel. Die Flügel wurden zu starren Flippern umgebildet, und die Beine wanderten aus der Körpermitte ans Körperende, sodass die Flossentaucher an Land aufrecht gehen.

Pinguine lassen sich in kein Schema pressen. Wenn man sich diese Vogelfamilie anschaut, kann man nie von „dem typischen Pinguin“ sprechen. Die Frackträger existieren getreu dem Motto: Keine Regel ohne Ausnahme.

Sie sind aktives Mitglied des Artenschutzvereins Sphenisco. Wie sieht die Arbeit des Vereins und speziell ihre aus?

Der Verein arbeitet eng mit chilenischen und peruanischen Natur- und Artenschutzorganisationen zusammen. Er sponsert die aktive Arbeit in Südamerika vor Ort und tritt in den Dialog mit den dort handelnden Personen. Außerdem klärt der Verein durch aktive Zooarbeit in Deutschland und Europa über Humboldtpinguine, ihren Lebensraum und dessen Schutz auf. Ich bin zumeist begleitend tätig. Ich besuche Pinguin-Tagungen, nehme an allen Pinguin-Tagen in den Zoos teil, die mir möglich sind. Ich spreche mit Tierpflegern und versuche, mir auf diese Weise immer neues Wissen über diese Tiere anzueignen. Durch aktives Handeln bemühe ich mich, in meinem persönlichen Umfeld auch etwas für den Natur- und Artenschutz zu tun. Wie beispielsweise nur Fisch mit MSC-Siegel zu kaufen oder keinen Guanodünger mehr zu verwenden. Als Guano bezeichnet man den Vogelkot, den auch Pinguine als Unterbau für ihre Nester verwenden. Manchmal schreibe ich auch Berichte über Veranstaltungen, die wir rund um das Thema Pinguine durchgeführt haben.

Anlässlich des Welt-Pinguin-Tages am 25. April 2019 möchte ich im Tierpark Bochum gemeinsam mit unserem Chor ein Benefizkonzert zugunsten der Humboldtpinguine organisieren.

Sie waren gemeinsam mit Sehenden auf einer Expeditionsreise rund um die Falklandinseln. Erzählen Sie bitte, wie Sie dazu gekommen sind?

Freunde von mir besitzen das einzige Pinguinmuseum Deutschlands in Cuxhaven. Dort habe ich bei einem Vortrag Deutschlands einzigen Pinguin-Forscher Klemens Pütz kennen- und schätzen gelernt. Er fährt regelmäßig auf die Falklandinseln und bietet auch Schiffsreisen für Interessierte dorthin an. Als wir uns näher kannten, habe ich ihn gefragt, ob ich nicht auch einmal so eine Reise unternehmen könnte. Im Voraus war mir klar: Ohne Begleitung geht so eine Reise für mich definitiv nicht. Nachdem sich eine Dame aus unserem Chor bereit erklärt hat, mich zu begleiten, konnte ich diese unvergessliche Reise tatsächlich realisieren. Heute ist besagter Forscher für mich zu einem guten Freund geworden. Ich werde die Erinnerungen, die ich von dieser Reise mitnehmen durfte, niemals vergessen.

Was war für Sie am eindruckvollsten auf dieser Reise?

Das Beeindruckendste auf dieser Reise war für mich definitiv die Königspinguin-Kolonie am Volunteer Beach. Man war quasi mittendrin. Die Vögel waren so nahe, dass einer sogar auf meinen linken Gummistiefel gepickt hat. Für einen Moment fühlte ich mich wie ein Teil der Kolonie, ein ungeheures Glücksgefühl.

Wie sind Sie zurechtgekommen? Welche Hindernisse und Schwierigkeiten galt es zu überwinden?

Dank der tollen Unterstützung der gesamten Gruppe, die im Vorhinein von unserem Reiseleiter über meine Anwesenheit informiert wurde, bin ich relativ gut zurechtgekommen. Schwierigkeiten gab es auf dieser Reise genug, so dass ich heute definitiv sage: Ohne Begleitung und ohne ein solches Verständnis der gesamten Gruppe ist eine solche Reise für einen Blinden nicht möglich. Oder man kann halt nicht alles mitmachen.
Die Wege sind sehr komplex und schwierig. Man muss eine gute körperliche Konstitution mitbringen und gut zu Fuß sein. Die Schwierigkeiten begannen für mich schon in der ersten Nacht, denn ich wurde seekrank. Da wir zwei Wochen auf unserem Schiff verbracht, und es nur bei Landgängen verlassen haben, ergaben sich im Verlauf natürlich auch noch weitere Folgeschwierigkeiten. Jeder, der versucht, gewisse Alltagssituationen wie z. B. Duschen und Anziehen zu bewältigen, wenn alles um einen herum wackelt, der weiß, was ich meine. Auch unterwegs auf den Wegen brauchte ich teilweise die Unterstützung der ganzen Gruppe.
Ein weiteres Problem, zumindest am Anfang, stellte die Sprachbarriere dar. Auf unserem Schiff wurde zumeist englisch gesprochen. Aus diesem Grund war es für mich anfangs relativ schwierig, die Anweisungen genau zu verstehen. Denn mit meinem Schulenglisch ist es nicht mehr so weit her. Im Verlauf der Reise lief das jedoch immer besser.

Was durfte in Ihrem Koffer nicht fehlen?

Ungefütterte Gummistiefel. Ungefüttert deswegen, damit es Innen nicht nass wird. Regenhose und einen Parker (ein unbedingtes Muss beim Übersetzen mit dem Zodiak). Sonnenschutz und warme Kleidung, denn auch wenn das Klima dort ungefähr mit unserem Wetter im November zu vergleichen ist, der Wind dort ist nicht zu unterschätzen.

Welche Erfahrungen haben Sie von dieser Reise mit nach Hause gebracht?

Unvergessliche Hörerlebnisse in den Tierkolonien, in Verbindung mit spannenden Gerüchen. Schöne gemeinsame Erlebnisse innerhalb der Gruppe. Die Gruppe war topp. Sie hat mich super unterstützt. Durch diese Reise sind Freundschaften entstanden. Natürlich birgt ein Zusammenleben auf so engem Raum auch Konflikte. Aber auch solche Erfahrungen sind gut und wertvoll.

Mehr dazu im folgenden Video: https://bit.ly/2tv8SCT

Buchtipp aus der DZB

Tom Michell: Der Pinguin meines Lebens: die wahre Geschichte einer unwahrscheinlichen Freundschaft

Eine wahre und herzergreifende Freundschaftsgeschichte zwischen Mensch und Pinguin, wie es sie noch nie gab. Der junge Lehrer Tom Michell geht mit 21 nach Südamerika, bereist Uruguay und heuert dann in Argentinien als Lehrer in einem Internat an. Was er sucht, ist das ganz große Abenteuer. Womit er nicht rechnet, ist ein Pinguin, der sein Leben verändern soll.

Kurzschrift, 3 Bände, 36 Euro, Verkauf 9422, Ausleihe 18570

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