Ich singe alles gern, was singbar ist …

Flyer-Text: Mendelssohn-Braille-Bartholdy, Alte Handelsbörse, 24.10.2018

Am 24. Oktober 2018 lädt der Lions Club Leipzig „Felix Mendelssohn Bartholdy“ und der Förderverein „Freunde der DZB e.V.“ zu einem Benefizkonzert für blinde Musiker in die Alte Handelsbörse Leipzig ein. Die Sopranistin Gerlinde Sämann, selbst blind, wird Lieder von Felix Mendelssohn Bartholdy singen. Der Erlös des Konzertes hilft, die weltlichen Chorwerke des berühmten Komponisten in Braillenoten zu produzieren. Gabi Schulze traf die Sängerin Anfang Juni schon einmal in Leipzig. Weiterlesen …

Wie musizieren blinde und seheingeschränkte Menschen?

aufgeschlagenes Braillenotenwerk
Braillenoten

In ihrem Forschungsprojekt Musikalische Kommunikation: Modus Braille untersucht Dr. Juliane Bally das Musizierverhalten blinder und sehbehinderter Musikerinnen und Musiker im deutschsprachigen Raum. Sie hat bisher viele Befragungen durchgeführt, doch diese reichen noch nicht aus. Bis zum Ende des Projektes (Ende November 2019) braucht sie mindestens noch 30 Personen, damit die Studie wissenschaftliche Beweiskraft besitzt. Im Folgenden lesen Sie hier ihren interessanten Zwischenbericht, der noch einmal alle ermuntern und einladen soll, das Projekt zu unterstützen. Weiterlesen …

Wo Note für Note gehört, Stakkato und Triller angesagt werden

aufgeschlagenes Notenwerk mit Braillenotenheft
Übertragung in Braillenoten

Wenn Felix Mendelssohn Bartholdy wüsste, dass sein gesamtes Orgelwerk auch blinden Musikern in Braillenotenschrift zur Verfügung steht, würde ihn das sicher ehren. Blinde Organisten wiederum ehren den Komponisten, in dem sie seine Werke spielen. Das ist möglich, weil in der DZB Noten produziert werden. Neues über den Notenübertragungsservice DaCapo.

Er ist Musikwissenschaftler wie er im Buche steht, ein Experte auf seinem Gebiet, kompetent und akribisch genau. Felix Purtov, seit 13 Jahren in der DZB tätig, arbeitet im Bereich Notenübertragungsservice DaCapo als Gruppenleiter, organisiert und koordiniert Notenaufträge, überträgt und korrigiert Noten in Brailleschrift. Er war von Anfang an mit dabei, als 2003 das Projekt DaCapo startete, aus dem 2009 der gleichnamige Notenübertragungsservice DaCapo hervorging. Die in diesem Projekt entwickelte Software ermöglicht es, Notenwerke anforderungsorientiert und computergestützt zu übertragen.

Im Jahr 2016, so berichtet Felix Purtov, produzierten wir 37 Notentitel, wobei jeder Titel meist mehrere Bände umfasst. Hinzu kommen ca. 220 individuelle Aufträge, die für Privatkunden bearbeitet wurden. So hat DaCapo unter anderem solche bedeutenden Notenwerke, wie die gesamten Orgelwerke Felix Mendelssohn Bartholdys, das Freiburger Chorbuch mit mehr als 130 Werken, das berühmte „Te Deum“ von Antonín Dvořák und Charles Gounods Messe G-Dur op.12, auch „Cäcilienmesse“ genannt, in Braillenotenschrift übertragen.

Notenwerke berühmter Komponisten in Auftrag

„Unsere Auftraggeber sind blinde Berufs- und Laienmusiker, Sängerinnen und Sänger, Organisten, Gitarristen, Pianisten, aber auch blinde Musiklehrer an Schulen“, berichtet Felix Purtov. „Ohne Braillenoten könnten blinde Musiker ihren Beruf nicht ausüben. Sie geben meist einen Teil des Notenwerks bei uns in Auftrag, eine Stimmlage oder eine Solopartie, die sie gerade als Sängerin oder Pianist brauchen. Wir entscheiden je nach Bedeutung des Notenwerkes und Bestand unserer Musikbibliothek, ob das gesamte Notenwerk bei uns übertragen werden soll.“ Kommt es zur Produktion des Werkes mit allen Partien bzw. Chorstimmen, wird es gedruckt, in die Musikbibliothek der DZB eingestellt und kann ausgeliehen werden. Musikwissenschaftler Felix Purtov benennt Mendelssohns Orgelwerk als Beispiel und erklärt, dass nur Band 2 und 3 beauftragt wurden. Die DZB hat zusätzlich Band 1 übertragen. Nun steht das gesamte Orgelwerk mit neuen Quellen auch für die Ausleihe bereit. Zurzeit bei DaCapo in Arbeit ist „A Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams. Der Verein „Leipzig singt“ wird diese Sinfonie 2016 aufführen. Eine blinde Chorsängerin hat deshalb die Noten für die Sopranstimme in Auftrag gegeben. Da das Notenwerk des bekannten englischen Komponisten, der um die Jahrhundertwende gelebt hat und Vokal- und Instrumentalwerke schrieb, noch nicht in Braillenotenschrift übertragen wurde, produziert die DZB das Werk in seiner Gesamtheit (Solopartien und alle Chorstimmen). Felix Purtov zählt noch einige wichtige Notenwerke auf und zeigt die Originalnotenhefte dazu.

Einer, der jede einzelne Note hören kann …

„Bei DaCapo, unserem Notenübertragungsservice, arbeiten zurzeit vier Kollegen“, erzählt der Musikwissenschaftler. „Wir scannen die Noten zunächst ein, bearbeiten sie dann mit dem Notensatzprogramm Capella und übertragen diese mit der bei uns entwickelten Software Hodder in Braillenoten. Danach werden die Aufträge und Bibliotheksproduktionen von einem sehenden und blinden Musikexperten Korrektur gelesen.“ Jeden Monat kommt der blinde Konzertsänger Lothar Littmann aus Oldenburg für eine Woche nach Leipzig. Er hört jede einzelne Note, die Felix Purtov ihm auf dem E-Piano vorspielt und überprüft die Braillenoten auf dem Blatt Papier. Wichtig für ihn ist, dass sein Partner alle musikalischen Zusatzzeichen wie beispielsweise Bindebögen, Dynamik, Artikulation wie Stakkato und Crescendo ansagt. „Alles das, was außer den Noten in einem Werk steht und angibt, wie etwas gespielt werden soll, muss genannt werden. Es gibt klare Regeln, was vor und nach der Note zu stehen hat, z. B. Artikulation vor und Bindebögen nach der Note“, erklärt der Konzertsänger. Kompositionen, die mit wenigen Zusatzzeichen auskommen, sind dementsprechend schneller Korrektur gelesen als Werke mit vielen.

Genaue Korrektur der Noten ist wichtig Weiterlesen …